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Das Projekt:

Pferde mit ganz verschiedenen Geschichten; Kommunikation durch Körpersprache, Hilfsmittel nur wenn die Sicherheit es nötig macht, aber nie fürs Training. 

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Das Ziel:

Herauszufinden, wie weit kann man die Reitkunst entwickeln kann, wenn man ausschließlich Körpersprache benutzt.

 

Ein Spaziergang im Wald

Diese Woche war es Zeit das Tor für Ari und mich zu öffnen, um ein bisschen weiter von zuhause spazieren zu gehen.

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Der Paddock war ein guter Ort um eine solide Basis für unsere Beziehung zu schaffen.

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Aber dort draußen gibt es die große weite Welt zu entdecken!

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An diesem Punkt unserer Beziehung war die richtige Zeit für einen Spaziergang für uns beide gekommen.

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Er darf entscheiden, wo wir hingehen.

Ich darf entscheiden, wo ich um ihn herum stehe oder gehe.

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So ist Ari der „assertive“ Anführer weil er entscheidet, was wir zusammen machen.

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Ich bin der passive Anführer, weil ich gute Entscheidungen mit Gefühl und Timing treffe und zwar darüber, wo und wann und wie ich bei ihm bin, während wir spazieren gehen.

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Ari’s wichtigstes Anliegen ist die Suche nach leckerem Futter und ich bin zufrieden mit meiner Rolle, für ihn die Umgebung im Blick zu halten, während er seinen Wünschen nachgeht.

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Während Ari grast, habe ich die perfekte Gelegenheit zu üben, wie ich mein Gewicht auf ihn lehne. Ich beobachte ihn dabei sorgfältig, um den besten Moment zu finden, mein Gewicht an ihn ran und von ihm weg zu nehmen. So schaffe ich gute Assoziationen, die wir später brauchen werden, wenn wir zusammen reiten gehen können.

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Manchmal, wenn man durch den Wald spaziert und dabei grast und erkundet, riecht etwas lustig und dann muß man einfach lachen!

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Und nachdem man zusammen gelacht hat, fühlt man sich einfach noch besser zusammen.

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Die wunderbaren Fotos in diesem und allen anderen Blogs wurden von dem sehr talentierten Fotograf Kevin Smith geschossen. Wir haben dieses Video im Wald zusammen gedreht und es auf der Patreon Seite geteilt.  Wenn ihr es noch nicht gesehen habt, laden wir euch hiermit höflich ein, sich uns dort anzuschließen, so dass ihr dieses und alle anderen wöchentlichen Update Videos unserer Abenteuer sehen könnt.

https://www.patreon.com/tamingwild

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Hufe und Herzschläge,

Elsa

TamingWild.com

Das Projekt:

Pferde mit ganz verschiedenen Geschichten; Kommunikation durch Körpersprache, Hilfsmittel nur wenn die Sicherheit es nötig macht, aber nie fürs Training. 

Das Ziel:

Herauszufinden, wie weit kann man die Reitkunst entwickeln kann, wenn man ausschließlich Körpersprache benutzt.

 

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Atemzüge zählen

Maul um Maul reißt Atlas ohne Unterlass Heu aus dem Heunetz. Er  hat verstanden dass das Futter hier in seinem neuen Heim gut ist. Die hervorstehenden Rippen und Hüftknochen sehen schon weicher aus und seine Muskeln nehmen neue Formen an.

Diesen Dinge schenke ich Beachtung, wie ich auch den Raben beobachte, der über uns fliegt. Ich bemerke die Rehe, die rechts von uns über das Feld ziehen und die Insekten, sie in scheinbar endlosen sinnlosen Kreisen durch die Luft fliegen. Ich bemerke, wie die Blätter der Eiche anfangen, ihre Farben zu ändern und sehe dass der tote Ast der Kirschbaums entfernt werden sollte.

Diese Woche hatte ich viel Zeit all diese Dinge zu bemerken, während Atlas seine Nase tief im Heunetz versenkt und frisst, als ob es seine letzte Mahlzeit sei.

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Einerseits ist es gut dass er frisst. Er muss zunehmen, bevor das Wetter kalt und unfreundlich wird. Andererseits ist dies eine Level von Besessenheit, das ich gerne ein bisschen abschwächen würde und dabei kann ich ihm als sein Anführer helfen.

In den ersten Tagen hatte er immer direkt grosse Angst, wenn ich mich zu viel bewegte, und lief schnaubend herum. Deshalb musste ich so viele wie nötig Stunden in rein passive Führung investieren. Das heißt, dass ich mich so wenig wie möglich bewegte und gute Entscheidungen traf, wenn ich mich bewegte und wie lange ich still stehen blieb.

Mit dem Anbruch der zweiten Woche, fing Atlas an, sich manchmal nicht mehr für meine Anwesenheit zu interessieren und mich weder anzusehen noch von mir wegzusehen, sondern sich total auf das Heu vor ihm zu konzentrieren, als sei ich gar nicht da. Das war genau der nächste Schritt, den ich mir erhofft hatte, damit ich die mit unterstützender Führung beginnen konnte.

An diesem Punkt heisst unterstützende Führung dass ich mich mehr bewege, als Atlas es tut. Ich kann den Padock abäppeln, Bäume beschneiden, spazieren gehen oder Dehnübungen machen. Sobald ich sehe, dass er einen Fokuswechsel macht den ich mag (was an diesem Punkt so ziemlich alle Arten von Fokuswechseln sind), gehe ich wieder in Flow und Harmonie über, indem ich mich ihm so gut wie möglich anpasse. So hat er die Macht uns als Partner zusammenzubringen und er lernt, wie er diese Macht benutzen kann.

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Wenn Atlas sich die Zeit nimmt, kurz von seinem Heu aufzuschauen, seinen Fokus also ändert bevor er den nächsten Bissen Heu herauszupft, dann bringt seine Handlung mich wieder in Flow mit ihm, meine Beine in die gleiche Stellung wie seine, meine Körper genauso still wie seiner, und meinen Fokus ergänzt seinen indem ich nach Gefahr ausschau halte, während er verletzlich ist, weil er frisst. Dieses Gefühl des Zusammenseins hat Atlas über die letzte Woche gelernt zu geniessen. Jetzt lernt er, dass er mich mittels etwas so einfachem wie einer Fokusänderung darum bitten kann, wieder in den Flow der Partnerschaft zu gehen.

Jedes Yin muss sein Yang haben und alles was man gern hat muss als Kontrast etwas haben, was man nicht so gern mag. Deshalb haben wir im auf der einen Seite passive Führung mit viel Flow und so wenig Bewegung wie möglich und auf der anderen Seite unterstützende Führung, die aus Bewegung und Veränderung besteht. Es geht dabei noch nicht um eine direkte Aufforderung an Atlas irgendetwas anderes zu tun, sondern nur um eine einfach Abfolge von Handlungen, die Atlas erlauben zu verstehen, dass er mich so oft und wann er will um Flow und passive Führung bitten kann indem er eine Fokusänderung macht.

Am Anfang dieses Prozesses war es sehr einfach den Paddock abzuäppeln, weil Atlas sich ganz aufs Essen konzentrierte und ich mit der Mistgabel hin und herlaufen konnte, um alle seine Pferdeäpfel auf den einen Haufen zu legen, von dem ich hoffe, dass er ihn am meissten benutzen wird.

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Dann begann Atlas zu verstehen dass er die Macht hatte, mich zu bitten still zu stehen und er fing an, diese Macht zu nutzen. Und dann schien es, als ob er lernte zu zählen!  Ich hatte beschlossen, dass acht Atemzüge die richtige Zeitspanne für Harmonie mit Atlas sei, während er sich ganz auf sein Heu fixierte. Wenn ich bis acht kam und er immer noch frass und nicht aufgesehen hatte und irgendetwas anderes wahrgenommen hatte, dann konnte ich zu meiner Aufgabe zurück. Wenn er eine Fokusänderung machte, ging ich einen letzten Schritt und begab mich dann wieder in Flow mit ihm. Das funktionierte gut, bis Atlas lernte, dass er mich schön still in passiver Führung halten konnte, wenn er beim siebten Atemzug einmal aufblickte und sich umsah.

 

Nachdem Atlas dies gelernt hatte, brauchte ich fast zwei Stunden um den Paddock abzuäppeln, statt der fünf Minuten, die es eigentlich dauern würde. Für zehn bis fünfzehn Minuten am Stück schaffte Atlas es, sich zu erinnern und alle sieben Atemzüge aufzublicken, um mich an der Stelle zu halten. Dann vergass er es und widmete sich so sehr seinem Heu, dass ich ein bisschen von meiner Arbeit getan bekam bevor er mich wieder bat, in den Flow zurückzukommen.

 

Einerseits bin ich begeistert dass er dieses System ausgeknobelt hat und dass er mich auf solch positive Weise um etwas bitten kann. Andererseits war es wirklich auch frustrierend, wie lange ich für eine einfache Aufgabe brauchte.

Es wird natürlich nicht immer so bleiben. Später habe ich dann vielleicht ein sechs oder vier Atemzuglimit, wie lange ich still stehen bleibe, solange er hyperfixiert sein Heu frisst, oder ich verlange zwei oder drei oder vier Fokusänderungen, um mich zurück in Harmonie zu begeben. Für den Moment ist es mir aber wichtig, dass ich das Spiel einfach halte, so dass Atlas die Regeln verstehen lernt.

Es geht darum, Atlas dazu zu bringen, dass er auf denkende Weise mit mir kommuniziert.

Wenn Pferde eine sehr gestresste Vergangenheit hinter sich haben und wissen wie sie mit Kampf oder Flucht kommunizieren, ist es zwar wichtig, dass wir ihnen zuhören, aber wir sollten diese Art von Kommunikation nicht unterstützen und fördern. Die denkende Art von Kommunikation sollten wir fördern.

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Bevor ich Atlas um irgendetwas bitte, muss er wissen, dass er mich um das bitten kann, was er braucht auf eine Art, die für uns beide gut ist.

Wenn wir alle Hilfsmittel wegnehmen, die Druck aufbauen oder direkt Belohnen, dann können wir Kampf oder Flucht nicht mehr händeln. Im Freedom Based Training® ist der einzige Weg die denkende Art der Kommunikation zu stärken, bis diese so normal und gewöhnlich für das Pferd ist, dass Kampf oder Flucht keine guten Optionen mehr sind.

Diese Woche hatte ich das Gefühl, dass ich sehr gute Fortschritte in diesem Prozess machten und ich hatte unsere Wohlfühlentfernung auf eine halbe Pferdelänge heruntergearbeitet. Ich konnte schon fast das Gefühl von Atlas’ Fell in meinen Fingern spüren und dachte mir, dass das Anfassen in ein paar Tagen möglich sein würde.

Dann gab es einen Vorfall mit dem Komposteimer, der meine Meinung änderte.

Ich stand ziemlich weit entfernt, bewachte die Umgebung, während Atlas neben dem großen grünen Komposteimer in seinem Paddock döste. Er drehte sich um, so dass ich beschloss einen großen Halbkreis um ihn herum zu gehen, damit ich den letzten Schritt gehen und dann wieder in Flow gehen könnte. Nur dass Atlas die Entfernung zum Plastikeimer falsch einschätzte und ihn ganz leicht mit seinem Bein streifte, während er sich umdrehte. Es war schockierend, wie schnell es von verschlafenem Rumdrehen zu einem schnellen Tritt mit dem Hitnerhut, der die Seite des Eimers durchbrach, kam. Das laute Geräusch des brechenden Plastiks brachte Atlas zum Schnauben und in einen Trabkreis, der genau neben dem zertretenen Eimer endete. Er hatte anscheinend keine Angst vor dem Eimer, sondern nur vor dem Geräusch dass dieser beim Zerbrechen gemacht hatte und sobald das Geräusch vorbei war, konnte er wieder entspannen.

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Während Atlas wieder döste, begann ich wieder die Umgebung zu sondieren, aber jetzt mit einem neu erwachten Respekt davor Atlas anzufassen. Ich werde das Loch im Komposteimer als Warnzeichen sehen und Atlas’ Körper nicht so bald beiläufig streichen.

 

Wenn es an der Zeit ist, dass wir uns berühren, dann muss er dazu ganz wach sein und sich bewusst sein, was passiert und mir zeigen, dass er bereit ist.

Für den Moment werde ich weiter meine Atemzüge zählen und die Welt um mich herum betrachten während Atlas sich an unsere neue Partnerschaft gewöhnt. Die Dinge geschehen, wenn sie geschehen sollen. Zur Zeit ist er bereit, diese Übergänge von passiver Führung zu unterstützender Führung zu erkunden und ich werde einfach zuverlässig zeigen, dass ich dieses Spiel so lange spielen kann, wie er es braucht.

Irgendwann wird er bereit sein für den nächsten Schritt und es wird natürlich und einfach sein, weil ich nicht zu früh zu viel verlangt habe.

Zähle meine Atemzüge, beobachte die Umgebung, und antworte, antworte, antworte. So baue ich an der Basis für alles in unserer Zukunft.

Ich teile gerne mit allen, die neugierig sind auf alle kleinen Bausteine, die ich in dieser Beziehung aneinanderreihe, meine Reise mit Atlas.

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Jeden Freitag, solange dieses Projekt dauert, werde ich ein Video mit unseren Fortschritten auf Patreon veröffentlichen:

https://www.patreon.com/tamingwild

Der Termin steht noch nicht ganz fest, aber wahrscheinlich gehen wir in den nächsten zehn Tagen den Mustanghengst abholen, der mich und Atlas auf dieser Reise begleiten wird. Ich bin so neugierig zu sehen, wer sich aus der Menge hervorhebt und mit mir nach hause kommt um uns allen im kommenden Jahr so viel neues beizubringen!

Hufe und Herzschläge,

Elsa

Taming Wild.com