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Das Projekt:

Pferde mit ganz verschiedenen Geschichten; Kommunikation durch Körpersprache, Hilfsmittel nur wenn die Sicherheit es nötig macht, aber nie fürs Training. 

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Das Ziel:

Herauszufinden, wie weit kann man die Reitkunst entwickeln kann, wenn man ausschließlich Körpersprache benutzt.

 

Ein Spaziergang im Wald

Diese Woche war es Zeit das Tor für Ari und mich zu öffnen, um ein bisschen weiter von zuhause spazieren zu gehen.

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Der Paddock war ein guter Ort um eine solide Basis für unsere Beziehung zu schaffen.

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Aber dort draußen gibt es die große weite Welt zu entdecken!

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An diesem Punkt unserer Beziehung war die richtige Zeit für einen Spaziergang für uns beide gekommen.

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Er darf entscheiden, wo wir hingehen.

Ich darf entscheiden, wo ich um ihn herum stehe oder gehe.

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So ist Ari der „assertive“ Anführer weil er entscheidet, was wir zusammen machen.

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Ich bin der passive Anführer, weil ich gute Entscheidungen mit Gefühl und Timing treffe und zwar darüber, wo und wann und wie ich bei ihm bin, während wir spazieren gehen.

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Ari’s wichtigstes Anliegen ist die Suche nach leckerem Futter und ich bin zufrieden mit meiner Rolle, für ihn die Umgebung im Blick zu halten, während er seinen Wünschen nachgeht.

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Während Ari grast, habe ich die perfekte Gelegenheit zu üben, wie ich mein Gewicht auf ihn lehne. Ich beobachte ihn dabei sorgfältig, um den besten Moment zu finden, mein Gewicht an ihn ran und von ihm weg zu nehmen. So schaffe ich gute Assoziationen, die wir später brauchen werden, wenn wir zusammen reiten gehen können.

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Manchmal, wenn man durch den Wald spaziert und dabei grast und erkundet, riecht etwas lustig und dann muß man einfach lachen!

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Und nachdem man zusammen gelacht hat, fühlt man sich einfach noch besser zusammen.

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Die wunderbaren Fotos in diesem und allen anderen Blogs wurden von dem sehr talentierten Fotograf Kevin Smith geschossen. Wir haben dieses Video im Wald zusammen gedreht und es auf der Patreon Seite geteilt.  Wenn ihr es noch nicht gesehen habt, laden wir euch hiermit höflich ein, sich uns dort anzuschließen, so dass ihr dieses und alle anderen wöchentlichen Update Videos unserer Abenteuer sehen könnt.

https://www.patreon.com/tamingwild

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Hufe und Herzschläge,

Elsa

TamingWild.com

Das Projekt:

Mustangs direkt aus der Wildnis, ein Trainer, mehrere Schüler, Kommunikation durch Körpersprache, Hilfsmittel nur wenn die Sicherheit es nötig macht, aber nie fürs Training. 

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Das Ziel:

Wie weit kann man die Reitkunst entwickeln, wenn man ausschließlich Körpersprache benutzt?

 

Ari’s Wahl

Diese Woche kam mit den Hengsten alles so zusammen, wie ich es mir erhofft hatte. Mein Tipp an mich selbst: besser zufrieden mit den Aktivitäten sein als ungeduldig mit dem Zeitplan.

Ich stelle fest, dass meine Erfahrung mit Myrnah während dem ersten Filmdreh, meine Erwartung an den Zeitplan beeinflusst hat und dieser komplett anders ist, als der, den ich jetzt mit Ari und Atlas lebe. Jetzt lebe ich, was ich predige und lasse die Pferde den Zeitplan für den nächsten Schritt bestimmen.

Vertraue dem Prozess, Elsa!

Ari ist nun seit ein paar Wochen hier, und ganz ehrlich, ich dachte, wir wären viel weiter als wir im Moment tatsächlich sind. Ich finde ihn toll und seine Entscheidungen zaubern mir ein Lächeln ins Gesicht, aber Wow, er hat eine Menge Meinungen und viele Entscheidungen zu treffen. Meistens scheint es, dass er einfach nur möchte, dass ich ihm aus dem Weg gehe, so dass er die Dinge tun kann, die er geplant hat. Ich weiß nicht wie viel daran liegt, dass er ein acht Jahre alter Hengst ist, den ich mit einer vier Jahre alten Stute, Myrnah, vergleiche. Oder wie viel davon seine Persönlichkeit ist, in all ihrer einzigartigen, dynamischen Schönheit, auf Grund dessen ich ihn ausgewählt habe. Er wird mich viele Dinge lehren, da bin ich mir sicher.

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Im Prozess von Freedom Based Training® starte ich mit jedem Pferd mit einer Meditation, an allen Positionen in allen möglichen Abständen um das Pferd herum. Indem ich das tue, studiere ich Gefühl und Timing, wann es für mich am besten ist, von einer Position in die nächste zu wechseln. Das ist Lernen von passiver Führung.

Dann beginne ich mehr und mehr Bewegung um das Pferd herum hinzuzunehmen, mit dem Ziel, ihm zu helfen, sich besser zu fühlen, bevor ich zur ursprünglichen Übung zurückkehre. Das ist Lernen von unterstützender Führung.

Sobald ich die Grundlage von diesen beiden erarbeitet habe, kann ich beginnen, das Pferd zu bitten, Dinge zu tun, die ich im Kopf habe. Das ist Lernen von bestimmender Führung.

Wenn meine Anfrage an das Pferd signifikantes Unbehagen zwischen dem Zeitpunkt der Frage und dem Zeitpunkt, an dem es ja zu mir sagt, auslöst, treten wir in den Bereich des Lernens von insistierender Führung.

Wenn meine Anfrage an das Pferd ein Verhalten von Kampf, Flucht oder Erstarren auslöst, dass ich kontrollieren, managen oder gezwungen bin zu ändern, dann treten wir in den Bereich von dominanter Führung. Hier benötigen wir normalerweise ein Hilfsmittel, um das Pferd zu managen (ein Seil, eine Belohnung, einen Zaun oder irgendetwas anderes, dass wir benutzen können und das motivierender ist, als einfach nur unser Körper).

In Freedom Based Training® und in diesem Filmprojekt “Taming Wild: Evolution” mit den Hengsten, geht es um den Prozess, eine Beziehung zum Pferd durch Führung im Bereich zwischen Passiv und Insistent zu entwickeln, ganz einfach, weil wir uns gegen Hilfsmittel entschieden haben, die uns erlauben würden, effektiv dominant zu sein.

Wenn wir Dominanz nicht einsetzen können, müssen wir lernen, das Pferd besser zu lesen und unser Entscheidungsprozess als Trainer wird auf ein ganz neues Level gestellt.

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Während ich den ersten Film mit Myrnah drehte, stellte ich fest, dass ich in diesem einen Jahr mehr über das Training von Pferden gelernt habe, als in all den 30 Jahren zuvor. Ich habe keinen Zweifel, dass dieses Jahr mit den Hengsten ähnliche Auswirkungen auf mich haben wird. Die Erfahrung von Training ohne jegliche Gedanken daran, zu dominieren, bringt mich in eine Position, in der ich jedes winzige Detail von Ursache und deren Auswirkung studieren muss, auf einem Level von Feinheit, dass wir Trainer oft übersehen, wenn wir ein Ergebnis durch Dominanz erzielen.

 

Ari schärft wirklich meine Fähigkeiten als Trainer und in diesen letzten Wochen kann ich fühlen, dass die Arbeit für mich ganz besonders in der Ermüdung meiner Geduld liegt. Mein Gehirn wird müde, wenn Ari und ich langsamer zu sein scheinen, als ich denke das wir von einem Grad des Verstehens zum nächsten sein sollten. Das passiert genau dann, wenn der ungeduldige Teil in mir die Details wegwischen möchte und ich in Richtung zählbare Ergebnisse pusche. So funktioniert Freedom Based Training® nicht. Ich muss mir genauso lange Zeit nehmen, wie Ari mir sagt, dass er braucht und jedes kleine Detail Ursache und Auswirkung wahrnehmen, dass er mir zeigt. Alle Details sind eine Möglichkeit, etwas mehr zu lernen.

 

In den ersten paar Tagen haben Ari und ich das komfortable Gefühl in passiver und unterstützender Führung gefestigt. Als ich angefangen habe, ihn nach einer bestimmten Aktion zu fragen, hat er diese schnell umgesetzt, unter dem Vorbehalt, dass er sofort herausgefunden hat, dass er mich auch nach Dingen fragen kann. So wurde meine Geduld geschärft, und das war auch das, wo er sich deutlich von Myrnah im ersten Projekt unterschied.

 

Ari konnte ich bitten, sich nach mir auszustrecken und meine Hand zu berühren, seinen Fokus zu verändern und sich mit mir zu verbinden. Ari hat dies so schnell gelernt und so schnell einfach ja dazu gesagt, und dann hat er die gleiche Frage an mich gestellt.

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Er fand heraus, wenn er sich nach mir ausstreckte und fragte, ob er meine Hand berühren durfte, würde ich die Dinge für ihn einfacher machen und er mag einfacher. In diesem Fall war einfacher, dass ich weiter weg stand als in Berührungs-Abstand, am besten eine Pferdelänge weit weg.

 

Ari war halbwegs zufrieden mit mir in seiner Nähe, nah genug, um ihn zu berühren, aber er bestand darauf, dass ich ihn nicht wirklich berührte. Mich zu bitten, weiter weg zu stehen, fühlte sich deshalb besser für ihn an. Wenn ich zu viel Druck machte, nutzte er gerade genug Kampf oder Flucht, um mir zu erklären, dass er nicht bereit war für Berührung und das musste absolut respektiert werden.

 

Vor zwei Wochen ließ Ari mich für ein paar Momente nah an sich herankommen, bevor er mich wieder und wieder höflich fragte, zurückzutreten.

 

Ich begann Angst zu haben, dass ich niemals das Band von seinem Hals abnehmen könnte und wir für immer in dieser Sackgasse stecken würden. Es fühlte sich nicht wirklich an, als würden wir keine Fortschritte machen, denn ich konnte in seinen Augen und im Rhythmus seiner Bewegungen sein Vertrauen in mich wachsen sehen. Aber Berührung war nicht möglich und es schien, als könnte ich dies ohne Hilfsmittel nicht ändern. Deshalb machten wir einfach weiter mit den Dingen, die wir zusammen tun konnten, während ich zusah, wie Ari in der Freude über sein neues Zuhause weiter aufblühte.

 

Ganz unerwartet änderten sich die Dinge eines Tages und Ari war plötzlich bereit, sich von mir berühren zu lassen.

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Ich stand lange ganz nah bei ihm und er streckte sich nicht nach mir aus, um mich zu fragen zurückzutreten. Deshalb hielt ich meine Hand unter seine Nase, um ihm die Chance zu geben, mich zu bitten, zurückzutreten, aber er tat es nicht. Vorsichtig hob ich meine Hand zu seiner Wange, um sie langsam zu streicheln und dann sofort zu seiner Nase zurück, um zu sehen, ob er mich berühren möchte, damit ich zurücktrete. Aber er tat es wieder nicht. Ari ließ mich ihn mehrfach streicheln ohne ein einziges Anzeichen von Kampf oder Flucht, bis er endlich seine Nase sanft gegen meine Finger drückte und mir sagte, dass er genug Nähe hatte und bereit ist für einen einfacheren Abstand zwischen uns.

 

In diesem Moment schmolz die Barriere zwischen uns und Schritt für Schritt wurde das Berühren  etwas, dass wir zusammen tun konnten.

 

Am nächsten Tag ließ Ari mich das Band um seinen Hals abnehmen und ich atmete erleichtert durch. Wir konnten dies tun und während Ari mich herausforderte, zu Lernen und zu Wachsen, und geduldiger zu sein als ich es gewohnt war, bat er mich um nichts Unzumutbares. Ich musste einfach dem Prozess vertrauen und seinen Zeitplan akzeptieren.

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Am selben Tag, an dem ich Ari das Band abnahm, ließen wir ihn und Atlas zusammen raus. Alle Tore zu öffnen und ihnen das ganze Feld zu überlassen, war für mich besser als Weihnachten. Pferde verdienen Freunde und Freiheit und sie in Freiheit mit Freunden weiden zu sehen ist einfach großartig.

 

Sicherheit steht für mich an erster Stelle, also gab ich den Hengsten in ihren ersten Wochen hier Zeit, ihre Bewegungen von der anderen Seite des Zauns zu spiegeln und kopieren. Sobald ich sah, das sie Seite an Seite in gleicher Körperhaltung mit dem Zaun zwischen ihnen gemeinsam ruhten, wusste ich, dass sie bereit waren für mehr Freiheit miteinander, ohne Risiko sich zu verletzen.

 

Ganz einfach und nur mit ein bisschen Chaos waren sie die ganze Zeit zusammen, fraßen für Stunden Heu vom selben Heunetz, tranken, spielten und bewegten sich zusammen.

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Ari und Atlas müssen immer noch das ein oder andere Dominanzspiel spielen, und quietschen, treten und steigen, wie Hengste das eben tun, aber es scheint in einem vernünftigen Rahmen und etwas zu sein, mit dem sich alle wohl fühlen.

 

Jetzt beginnt für mich und die Hengste ein neues Kapitel. Wir werden alle gemeinsam voneinander lernen. Ich verspreche, ich halte euch auf dem Laufenden, wie wir vorankommen.

 

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Hufe und Herzschläge,

Elsa

TamingWild.com

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Mustangs direkt aus der Wildnis, ein Trainer, mehrere Schüler, Kommunikation durch Körpersprache, Hilfsmittel nur wenn die Sicherheit es nötig macht, aber nie fürs Training. 

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Das Ziel:

Wie weit kann man die Reitkunst entwickeln, wenn man ausschliesslich Körpersprache benutzt?

Das Einfache wertschätzen

Diese Woche hat mich Atlas zum allerersten Mal berührt. Es war unglaublich, wie viel Mut er zusammengenommen hat, diese letzten Zentimeter zu überwinden und mit seiner Nase meine Finger zu berühren. Wir hatten zu diesem Zeitpunkt über hundert Stunden in „zusammen sein“ investiert, in einem Abstand, der sich für ihn gut angefühlt . Wir haben langsam und vorsichtig die Art und Weise und die Orte, wo und wie wir zusammen sein können, aufgebaut. An manchen Tagen habe ich mich gefragt, ob er jemals mutig genug sein würde, mich zu berühren. Vielleicht war dieses Zusammensein mit dem Sicherheitsabstand, das Einzige was er je zulassen kann.

 

An manchen Tagen, wenn ich besonders frustriert über das fehlende Vertrauen meiner beiden Hengste war, trat ich ein bisschen kürzer und besuchte Myrnah und Cleo, vergrub mein Gesicht in ihren Mähnen und spürte das süße, weiche, dichte Fell unter meinen Fingern. Erinnerte mich selbst an die Zeit, die es braucht, in der sich alles entwickelt, und daran, dass ich Atlas und Ari Zeit geben muss, denn sie werden nicht immer so bleiben, wie sie jetzt sind. Mit guten Gefühl und gutem Timing von mir, werden sie mit der Zeit lernen, das Menschen in ihrer Nähe eine gute und wunderbare Sache sind.

 

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An dem Tag, an dem Atlas mich endlich berührte, hat er mich vorher sehr lange angeschaut, mit gespitzten Ohren, und seine Nüstern flatterten leicht, wenn er meinen Geruch einatmete. Meine Hand war in seine Richtung und sein Hals in meine ausgestreckt. Dieses nacheinander ausstrecken ist etwas, das ich mit ihm entwickelt habe. Dabei habe ich immer seine Komfortzone respektiert und ihn mit einem noch einfacheren Abstand von mir belohnt, bevor seine Neugier, sein Mut und sein Interesse in mich abflaute.

In diesem besonderen Moment, es war am Ende des Tages und fast dunkel, kurz bevor ich meine Hand zurückziehen und mich zurück auf meinen Aussichtspunkt einige Pferdelängen von Atlas entfernt zurückbewegen wollte, streckte er sich ganz mutig etwas mehr aus und berührte meine Finger mit der Brücke zwischen seinen Nüstern.

 

Sobald Atlas bemerkte, dass seine Nase wirklich meine Finger berührte, nahm Panik überhand und er sprang in einer dramatischen Explosion seiner Körperteile von mir weg, ein Kickstart, der ihn weit weg von dieser neuen Sensation brachte. Ich bewegte mich auch, in einem langsamen steten Rhythmus, in Kreisen um ihn herum auf der Suche nach dem nächsten Ort, an dem wir gemeinsam Harmonie finden konnten.

 

In seinem plötzlichen Anfall von Mut hat Atlas zu früh zu viel versucht, und das hat ihn erschreckt.

 

Wir nahmen uns ein wenig Zeit, Dinge zu tun, in denen er gut war, und zusammen zu sein auf eine Art und Weise, in der er sich gut fühlt. Kurz vor Ende der Session kehrten wir dazu zurück, diese kleinen Momente zu üben, in denen ich mich nach ihm ausstrecken konnte, während er nach mir schaute, so dass ich dann mit angemessenem Timing in eine für ihn leichtere und angenehmere Distanz weichen konnte, so lange sein Mut und seine Neugier noch stark waren. Ich glaube das ist eines der größten Geschenke von Freedom Based Training®. Die Notwendigkeit das Einfache in einer Beziehung mehr  zu schätzen als das nach vorne Drängen und Fortschritte in Neuem und Interessantem.

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Ich glaube das ist eines der größten Geschenke von Freedom Based Training®. Die Notwendigkeit das Einfache in einer Beziehung mehr  zu schätzen als das nach vorne Drängen und Fortschritte in Neuem und Interessantem.

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Wenn wir Hilfsmittel wie Belohnung durch Futter, Halfter, Flaggen oder Zäune haben, gegen die wir ein Pferd schicken können, wird das Pferd mehr Zeit in Unbehagen aushalten, als wenn wir diese Hilfsmittel nicht haben.

Weil das Pferd unbedingt den Apfel oder die Möhre haben möchte, wird es sehr versuchen im Unbehagen des Lernens auszuhalten, da diese Aktion notwendig ist, um diese Belohnung zu bekommen. Weil das Pferd ein Halfter hat und weiß, dass es nicht weggehen kann, wird es mehr versuchen, das Unbehagen etwas Neues zu Lernen zu tolerieren, so dass der Druck nachlässt und das Leben sich wieder leichter anfühlt. Pferde werden durch von außen wirkende Dinge motiviert, ihre Komfortzone auszudehnen und das Unbehagen des Lernens zu tolerieren und wachsen daher schneller als sie sich das vielleicht auf natürlichem Wege aussuchen würden.

 

Mit Freedom Based Training® sind wir aber in einer Welt, in der das Pferd mal mehr und mal weniger Druck empfindet, aber der einzige Weg die Toleranz von Unbehagen zu belohnen, ist mit der Leichtigkeit von Flow und Harmonie zwischen Pferd und Mensch, die oft erst danach kommt. Dies erlaubt dem Pferd mehr Raum zum Nachdenken über eine freiwillige Teilnahme an jeder Aktivität.

 

Mit Freedom Based Training® haben wir hunderte Stunden investiert in alles, was gemeinsam einfach ist, so dass das Pferd in das Bewusstsein hineinwächst, dass es sich gut anfühlt in einer Beziehung mit uns zu sein. Nur auf dieser Basis kann das Pferd lernen, die Momente des Lern-Unbehagens zu tolerieren, und mit der Zeit wird das Pferd Akzeptanz für das Lern-Unbehagen entwickeln. Und dann, mit noch viel mehr Zeit, wird das Pferd beginnen, sich auf das Lernen zu freuen und Spaß daran haben, weil es interessanter ist als alle Dinge, die das Pferd bereits kennt.

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Also müssen wir zuerst in einfache Dinge investieren.

 

Bei Atlas und Ari bin ich dazu verpflichtet, zuzuhören was sie denken, was einfach und was schwierig ist. Angefangen habe ich außerhalb des Zauns stehend und ihrer Körpersprache Aufmerksamkeit schenkend. Bewegten sie sich von mir weg, oder auf mich zu? Wollten sie mehr Entfernung von mir oder weniger? Wie viele verschiedene Variationen von Zusammen können wir wieder und wieder und wieder erleben, die Atlas und Ari für einfach halten?

Über den Wert der einfachen Dingen wird im Pferdetraining nicht genug gesprochen.

Wir brauchen so viele Wiederholungen von einfachen Dingen, bis das Pferd beginnt, sich freiwillig für etwas zu interessieren.

 

Pferde fragen hoffentlich nach dem nächsten Bisschen, das sie lernen können innerhalb dessen, was sie tolerieren können. Wenn sie über das hinausgehen, was sie tun können, so wie Atlas als er mich das erste Mal berührte, müssen wir das Einfache wieder in Betracht ziehen, und wieder Vertrauen aufbauen mit dem Tun von einfachen Dingen.

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Im Fall Atlas habe ich mich dazu entschieden, ihn vorsichtig zu entschleunigen, so dass er sich nicht selbst wieder erschreckt. Wenn er sich nach mir ausstreckt, stelle ich sicher, das genug Luft zwischen uns ist und ich meine Hand zurückziehen kann, bevor er mich berührt.

Immer und immer wieder streckt sich Atlas nach mir aus und ich ziehe mich zurück, zu einem einfachen und komfortablen Abstand, bevor er mich berührt.

 

Ich strecke meine Hand nach Atlas aus, Atlas streckt sich zu mir, und dann, bevor seine Tasthaare meine Hand berühren, gehe ich selbstbewusst in einen Abstand, von dem ich weiß, dass er ihn als einfach empfindet.

 

Wird dies hundert oder tausend Wiederholungen benötigen, bevor wir fühlen, dass das Stresslevel niedrig genug ist, dass wir uns berühren können, ohne dass es Atlas Angst macht? Ich weiß es nicht, aber ich weiß, was ich erreichen möchte.

 

Als Atlas mich das erste Mal berührte, wollte er mutig sein, aber seine Ohren und Augen waren ganz starr auf mich gerichtet in einer eingefrorenen Position, die mich wissen ließ, dass sein Gehirn nicht komplett im Denk-Modus war. Ich hatte nicht geplant, dass wir uns berühren, aber Atlas bewegte sich so schnell, dass ich keine Zeit hatte, ihn vor seiner vorschnellen Entscheidung zu schützen.

 

Lektion gelernt, kein wirklicher Schaden entstanden, jetzt bin ich noch vorsichtiger. Jetzt üben Atlas und ich uns näher zu kommen mit großen Pausen in komfortablem Abstand zwischen jedem Versuch etwas Neues zu wagen. Diese neue Sache, die wir tun, verlangt Respekt, weil es noch nicht einfach ist.

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Wir wissen, wenn etwas einfach wird, weil wir sehen, dass das Gehirn beginnt nachzudenken statt zu reagieren. Wir werden sehen, wie sich Augen und Ohren sanft bewegen, anstatt dass sie in einem Erstarren gehalten werden. Wenn das Gehirn eingefroren ist, ist es wahrscheinlich, das Fight oder Flight als Reaktion folgen, wenn das Gehirn nachdenkt, wird es einfach in Weichen oder Spielen übergehen.

 

Die Theorie ist mir bekannt, aber ich gebe gern zu, dass es für mich harte Arbeit ist, zu tun, was ich predige. Nach fünf Stunden Arbeit an einem Tag mit den Hengsten ist mein Gehirn oft matschig und ich möchte einfach nur, dass irgendetwas Interessantes passiert.Die einfachen Dinge fühlen sich langweilig an und ich möchte nicht immer und immer und immer wieder die gleiche Sache üben.

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Das ist die wirkliche Arbeit. Hier steige ich tief ein und lerne. Wie viele verschiedene Arten von Aufmerksamkeit kann ich üben, während die Hengste erleben, wie einfach es ist mit mir zusammen zu sein?

 

Es ist eine nie endende Reise, aber ich weiß, ich werde besser, je länger sie dauert. Diesen Film zu machen ist für mich eine große Motivation, das Unbehagen des Lernens zu tolerieren. Also gehe ich genau da hinein und beobachte, plane und übe alles, das einfach ist, in so vielen verschiedenen Varianten, wie mir eben einfallen. Ich muss an den Prozess glauben und die Arbeit machen, denn das ist es, wie ich lerne.

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Wenn Du Dich für mehr Details und Diskussionen zum Thema interessierst, in unserer Patreon Gruppe findet beides statt und wir würden uns freuen, wenn Du dabei bist.

 

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Diese ersten Tage der ersten Berührungen mit den Hengsten sind auf ihre eigene Weise wertvoll, auch wenn ich zugleich von all dem dynamischen und interessanten Lernen, das noch vor uns liegt, träume – natürlich nur, wenn Atlas und Ari dazu bereit sind.

 

Hufe und Herzschläge,

Elsa

TamingWild.com

 

 

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Alles über Arion, den zweiten Hengst

Diese Woche war super viel los, denn es war an der Zeit unseren zweiten Hengst für den Dreh von „Taming Wild: Evolution“ abzuholen. Am Dienstag fuhren Kevin und ich 18 Stunden durch wunderschöne Landschaften bis nach Nevada und Mittwoch Nacht mit Arion sofort wieder zurück, so dass wir Donnerstag zu Hause ankamen.

Als wir an den Korrals ankamen wartete Ari bereits auf uns in einem kleinen Korral neben der Verladeschleuse. Während wir ein paar Minuten mit dem Brand -Inspektor verbrachten, um den notwendigen Papierkram zu erledigen, fiel mir auf, das Ari ruhig und angekommen zu sein schien, so als ob der kleine Korral, indem er war, ganz ihm gehören würde. Vielleicht hat er sich gefangen gefühlt, aber er hat sich nicht so verhalten.

Er schritt durch den Verlade-Gang in den Trailer mit mehr Rhythmus und Selbstbewusstsein als jeder andere Mustang den ich je verladen habe. Und dann starteten wir die lange Reise ganz unaufgeregt, ohne Pauken und Trompeten.

 

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Immer wenn ich einen wilden Mustang nach Hause bringe, fühle ich sehr mit ihnen. Sie sind so vielen neuen und aufregenden Erfahrungen ausgesetzt, der Anhänger wackelt und sie müssen ihre Balance finden, LKWs fahren dicht vorbei, Scheinwerfer blitzen rund um sie auf. Ari hat all dieses Reise-Chaos mit ungewöhnlich ruhigem Interesse an Allem angenommen. Während ich fuhr, konnte ich spüren, wie er von einer Seite des Anhängers zur anderen wechselte um die Welt zu sehen, mit überraschend wenig schnellen, hastigen Bewegungen.

Das tolle an Mustangs ist ihre Anpassungsfähigkeit. Wenn Mustangs aufwachsen sind sie in Begleitung ihrer Familie immer unterwegs und begegnen täglich neuen Dingen. Der Weg in ein domestiziertes Leben erscheint vielleicht schockierend, ein normaler Mustang ist aber sehr gut darauf vorbereitet sich anzupassen.

Ari ist aus einem Herden-Management Bezirk in Nevada, der als Eagle HMA bekannt ist, und um ein wenig Gefühl für seine Anpassungsfähigkeit zu geben, hier eine kurze Beschreibung, woher er genau kommt.

Das 267.000 Hektar große Eagle HMA besteht aus einer Vielfalt von Bergen und Tälern. Höhenunterschiede gehen von 5.673 Fuß/ 1.729m bis hinauf auf den 9.296 Fuß / 2.833m großen Mount Wilson. Das Eagle HMA bietet ein großes Einzugsgebiet, das sich durch Extreme jeder Art besonders auszeichnet. Im Sommer gehen die Temperaturen hoch bis zu 38 Grad, im Winter werden Temperaturen bis minus 20 Grad erreicht. Niederschlag im Osten Nevadas gibt es nur in Form von Schnee und im Sommer wenig Niederschlag. Dadurch ist Wasser knapp und das HMA alle paar Jahre Dürre gefährdet. Im Gebiet leben Maultierhirsche, Elche, Berglöwen, Kojoten und Luchse. Außerdem leben dort Präriefalken, Raben, Wachteln, Stare und Lerchen. Es gibt auch einige Reptilien, wie Eidechsen, Klapper- und andere Giftschlangen sowie ungiftige Schlangen.

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Im Vergleich zu seinen ersten acht Lebensjahren ist Ari jetzt in einem grünen Paradies gelandet. Er hat noch keine Ahnung, wie viel einfacher der kommende Winter für ihn sein wird.

Und ich, ich habe große Pläne, Ziele und Träume für Ari und mich. Wenn ich ihm zusehe, wie er seinen neuen Paddock für sich gewinnt, bin ich dankbar, dankbar für seine Geschichte und wo er herkommt.

 

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Ich werde eine Menge Anpassungsfähigkeit von diesem Pferd verlangen, da er mit mir im Leben eines domestizierten Pferdes ankommt. Und er zeigt, dass er bereit ist für diese Herausforderung.

 

Im Moment sind Atlas und Ari noch in unterschiedlichen Paddocks. Sie können sich sehen, aber noch nicht berühren. Atlas tut noch so, als wäre er das einzige Pferd auf dem Gelände, und Ari beobachtet Atlas still und leise vom Hügel aus. Sobald Ari die Möglichkeit hatte sich auszuruhen und in seinem neuen zuhause anzukommen, werde ich die beiden zusammenlassen, um ihnen ein normales, soziales Pferdeleben zu geben. Ich habe noch keine Ahnung wie das mit diesen beiden Hengsten aussehen wird, aber ich freue mich darauf, zu beobachten, wie sich alles entwickeln wird.

Und bis dahin bekommt jeder der beiden mich als Gefährten, so viel von jedem Tag, wie ich geben kann.

 

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Freedom Based Training® ist ruhige Arbeit, gemeinsam Zeit verbringen und sich einen Schritt nach dem anderen kennenlernen.  Es gibt jede Menge Details, die Freedom Based Training® ausmachen und ich bin mir sicher, diese beiden Hengste werden mir noch mehr Details beibringen, um diese Arbeit noch zu verbessern.

 

Du bist neugierig auf diese Details? Dann werde Teil der Community, sieh wöchentliche Videos und nimm teil an Diskussionsrunden auf

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Sobald Ari und ich uns von der Reise in den Norden erholt haben, wird es viele spannende neue Entwicklungen geben.

 

Hufe und Herzschläge,

Elsa

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Atemzüge zählen

Maul um Maul reißt Atlas ohne Unterlass Heu aus dem Heunetz. Er  hat verstanden dass das Futter hier in seinem neuen Heim gut ist. Die hervorstehenden Rippen und Hüftknochen sehen schon weicher aus und seine Muskeln nehmen neue Formen an.

Diesen Dinge schenke ich Beachtung, wie ich auch den Raben beobachte, der über uns fliegt. Ich bemerke die Rehe, die rechts von uns über das Feld ziehen und die Insekten, sie in scheinbar endlosen sinnlosen Kreisen durch die Luft fliegen. Ich bemerke, wie die Blätter der Eiche anfangen, ihre Farben zu ändern und sehe dass der tote Ast der Kirschbaums entfernt werden sollte.

Diese Woche hatte ich viel Zeit all diese Dinge zu bemerken, während Atlas seine Nase tief im Heunetz versenkt und frisst, als ob es seine letzte Mahlzeit sei.

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Einerseits ist es gut dass er frisst. Er muss zunehmen, bevor das Wetter kalt und unfreundlich wird. Andererseits ist dies eine Level von Besessenheit, das ich gerne ein bisschen abschwächen würde und dabei kann ich ihm als sein Anführer helfen.

In den ersten Tagen hatte er immer direkt grosse Angst, wenn ich mich zu viel bewegte, und lief schnaubend herum. Deshalb musste ich so viele wie nötig Stunden in rein passive Führung investieren. Das heißt, dass ich mich so wenig wie möglich bewegte und gute Entscheidungen traf, wenn ich mich bewegte und wie lange ich still stehen blieb.

Mit dem Anbruch der zweiten Woche, fing Atlas an, sich manchmal nicht mehr für meine Anwesenheit zu interessieren und mich weder anzusehen noch von mir wegzusehen, sondern sich total auf das Heu vor ihm zu konzentrieren, als sei ich gar nicht da. Das war genau der nächste Schritt, den ich mir erhofft hatte, damit ich die mit unterstützender Führung beginnen konnte.

An diesem Punkt heisst unterstützende Führung dass ich mich mehr bewege, als Atlas es tut. Ich kann den Padock abäppeln, Bäume beschneiden, spazieren gehen oder Dehnübungen machen. Sobald ich sehe, dass er einen Fokuswechsel macht den ich mag (was an diesem Punkt so ziemlich alle Arten von Fokuswechseln sind), gehe ich wieder in Flow und Harmonie über, indem ich mich ihm so gut wie möglich anpasse. So hat er die Macht uns als Partner zusammenzubringen und er lernt, wie er diese Macht benutzen kann.

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Wenn Atlas sich die Zeit nimmt, kurz von seinem Heu aufzuschauen, seinen Fokus also ändert bevor er den nächsten Bissen Heu herauszupft, dann bringt seine Handlung mich wieder in Flow mit ihm, meine Beine in die gleiche Stellung wie seine, meine Körper genauso still wie seiner, und meinen Fokus ergänzt seinen indem ich nach Gefahr ausschau halte, während er verletzlich ist, weil er frisst. Dieses Gefühl des Zusammenseins hat Atlas über die letzte Woche gelernt zu geniessen. Jetzt lernt er, dass er mich mittels etwas so einfachem wie einer Fokusänderung darum bitten kann, wieder in den Flow der Partnerschaft zu gehen.

Jedes Yin muss sein Yang haben und alles was man gern hat muss als Kontrast etwas haben, was man nicht so gern mag. Deshalb haben wir im auf der einen Seite passive Führung mit viel Flow und so wenig Bewegung wie möglich und auf der anderen Seite unterstützende Führung, die aus Bewegung und Veränderung besteht. Es geht dabei noch nicht um eine direkte Aufforderung an Atlas irgendetwas anderes zu tun, sondern nur um eine einfach Abfolge von Handlungen, die Atlas erlauben zu verstehen, dass er mich so oft und wann er will um Flow und passive Führung bitten kann indem er eine Fokusänderung macht.

Am Anfang dieses Prozesses war es sehr einfach den Paddock abzuäppeln, weil Atlas sich ganz aufs Essen konzentrierte und ich mit der Mistgabel hin und herlaufen konnte, um alle seine Pferdeäpfel auf den einen Haufen zu legen, von dem ich hoffe, dass er ihn am meissten benutzen wird.

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Dann begann Atlas zu verstehen dass er die Macht hatte, mich zu bitten still zu stehen und er fing an, diese Macht zu nutzen. Und dann schien es, als ob er lernte zu zählen!  Ich hatte beschlossen, dass acht Atemzüge die richtige Zeitspanne für Harmonie mit Atlas sei, während er sich ganz auf sein Heu fixierte. Wenn ich bis acht kam und er immer noch frass und nicht aufgesehen hatte und irgendetwas anderes wahrgenommen hatte, dann konnte ich zu meiner Aufgabe zurück. Wenn er eine Fokusänderung machte, ging ich einen letzten Schritt und begab mich dann wieder in Flow mit ihm. Das funktionierte gut, bis Atlas lernte, dass er mich schön still in passiver Führung halten konnte, wenn er beim siebten Atemzug einmal aufblickte und sich umsah.

 

Nachdem Atlas dies gelernt hatte, brauchte ich fast zwei Stunden um den Paddock abzuäppeln, statt der fünf Minuten, die es eigentlich dauern würde. Für zehn bis fünfzehn Minuten am Stück schaffte Atlas es, sich zu erinnern und alle sieben Atemzüge aufzublicken, um mich an der Stelle zu halten. Dann vergass er es und widmete sich so sehr seinem Heu, dass ich ein bisschen von meiner Arbeit getan bekam bevor er mich wieder bat, in den Flow zurückzukommen.

 

Einerseits bin ich begeistert dass er dieses System ausgeknobelt hat und dass er mich auf solch positive Weise um etwas bitten kann. Andererseits war es wirklich auch frustrierend, wie lange ich für eine einfache Aufgabe brauchte.

Es wird natürlich nicht immer so bleiben. Später habe ich dann vielleicht ein sechs oder vier Atemzuglimit, wie lange ich still stehen bleibe, solange er hyperfixiert sein Heu frisst, oder ich verlange zwei oder drei oder vier Fokusänderungen, um mich zurück in Harmonie zu begeben. Für den Moment ist es mir aber wichtig, dass ich das Spiel einfach halte, so dass Atlas die Regeln verstehen lernt.

Es geht darum, Atlas dazu zu bringen, dass er auf denkende Weise mit mir kommuniziert.

Wenn Pferde eine sehr gestresste Vergangenheit hinter sich haben und wissen wie sie mit Kampf oder Flucht kommunizieren, ist es zwar wichtig, dass wir ihnen zuhören, aber wir sollten diese Art von Kommunikation nicht unterstützen und fördern. Die denkende Art von Kommunikation sollten wir fördern.

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Bevor ich Atlas um irgendetwas bitte, muss er wissen, dass er mich um das bitten kann, was er braucht auf eine Art, die für uns beide gut ist.

Wenn wir alle Hilfsmittel wegnehmen, die Druck aufbauen oder direkt Belohnen, dann können wir Kampf oder Flucht nicht mehr händeln. Im Freedom Based Training® ist der einzige Weg die denkende Art der Kommunikation zu stärken, bis diese so normal und gewöhnlich für das Pferd ist, dass Kampf oder Flucht keine guten Optionen mehr sind.

Diese Woche hatte ich das Gefühl, dass ich sehr gute Fortschritte in diesem Prozess machten und ich hatte unsere Wohlfühlentfernung auf eine halbe Pferdelänge heruntergearbeitet. Ich konnte schon fast das Gefühl von Atlas’ Fell in meinen Fingern spüren und dachte mir, dass das Anfassen in ein paar Tagen möglich sein würde.

Dann gab es einen Vorfall mit dem Komposteimer, der meine Meinung änderte.

Ich stand ziemlich weit entfernt, bewachte die Umgebung, während Atlas neben dem großen grünen Komposteimer in seinem Paddock döste. Er drehte sich um, so dass ich beschloss einen großen Halbkreis um ihn herum zu gehen, damit ich den letzten Schritt gehen und dann wieder in Flow gehen könnte. Nur dass Atlas die Entfernung zum Plastikeimer falsch einschätzte und ihn ganz leicht mit seinem Bein streifte, während er sich umdrehte. Es war schockierend, wie schnell es von verschlafenem Rumdrehen zu einem schnellen Tritt mit dem Hitnerhut, der die Seite des Eimers durchbrach, kam. Das laute Geräusch des brechenden Plastiks brachte Atlas zum Schnauben und in einen Trabkreis, der genau neben dem zertretenen Eimer endete. Er hatte anscheinend keine Angst vor dem Eimer, sondern nur vor dem Geräusch dass dieser beim Zerbrechen gemacht hatte und sobald das Geräusch vorbei war, konnte er wieder entspannen.

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Während Atlas wieder döste, begann ich wieder die Umgebung zu sondieren, aber jetzt mit einem neu erwachten Respekt davor Atlas anzufassen. Ich werde das Loch im Komposteimer als Warnzeichen sehen und Atlas’ Körper nicht so bald beiläufig streichen.

 

Wenn es an der Zeit ist, dass wir uns berühren, dann muss er dazu ganz wach sein und sich bewusst sein, was passiert und mir zeigen, dass er bereit ist.

Für den Moment werde ich weiter meine Atemzüge zählen und die Welt um mich herum betrachten während Atlas sich an unsere neue Partnerschaft gewöhnt. Die Dinge geschehen, wenn sie geschehen sollen. Zur Zeit ist er bereit, diese Übergänge von passiver Führung zu unterstützender Führung zu erkunden und ich werde einfach zuverlässig zeigen, dass ich dieses Spiel so lange spielen kann, wie er es braucht.

Irgendwann wird er bereit sein für den nächsten Schritt und es wird natürlich und einfach sein, weil ich nicht zu früh zu viel verlangt habe.

Zähle meine Atemzüge, beobachte die Umgebung, und antworte, antworte, antworte. So baue ich an der Basis für alles in unserer Zukunft.

Ich teile gerne mit allen, die neugierig sind auf alle kleinen Bausteine, die ich in dieser Beziehung aneinanderreihe, meine Reise mit Atlas.

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Jeden Freitag, solange dieses Projekt dauert, werde ich ein Video mit unseren Fortschritten auf Patreon veröffentlichen:

https://www.patreon.com/tamingwild

Der Termin steht noch nicht ganz fest, aber wahrscheinlich gehen wir in den nächsten zehn Tagen den Mustanghengst abholen, der mich und Atlas auf dieser Reise begleiten wird. Ich bin so neugierig zu sehen, wer sich aus der Menge hervorhebt und mit mir nach hause kommt um uns allen im kommenden Jahr so viel neues beizubringen!

Hufe und Herzschläge,

Elsa

Taming Wild.com